Michael Tiefengruber, Hüter der Ehrenzeichen und Organisator von Empfängen des Landes Steiermark, zieht sich für eine neue Aufgabe in die zweite Reihe zurück – und gewährt Einblicke in ein bewegtes Berufsleben.
Ein origineller Sager war sein Eintrittsticket in den Landesdienst: Bei einer Diskussion wurde Waltraud Klasnic einst gefragt, was denn ihr Erfolgsrezept sei. Wichtig wäre es, antwortete die damalige Landeshauptfrau, „Grüß Gott“, „Bitteschön“ und „Dankeschön“ zu sagen. So stellte sich der spätere Protokollchef der Steiermark, der im Publikum gesessen war und gut zugehört hatte, wenig später Klasnic vor: „Grüß Gott, ich heiße Michael Tiefengruber. Bitteschön, ich würde gerne bei Ihnen arbeiten. Und dankeschön, dass Sie mir zugehört haben.“ Die Landeschefin schmunzelte – und holte den jungen Steirer im Jahr 2001 in ihr Team.Staatsoberhäupter, Papst und ein KönigspaarVom Landeshauptfrau-Büro ging es für den studierten Philosophen schließlich ins Referat für Protokoll und Auszeichnungen. Fast 23 Jahre lang orchestrierte Tiefengruber als Abteilungsleiter mehr als 2000 Ehrungen, organisierte Empfänge und zog bei Hochkaräter-Besuchen protokollarisch die Fäden: 2007 besuchte Papst Benedikt XVI. Mariazell, 2008 lotste Bundespräsident Heinz Fischer acht europäische Staatspräsidenten in die Steiermark, 2022 kam das niederländische Königspaar nach Graz. „Als Protokoll sind wir die Hüter der bewährten und zu bewahrenden Form“, sagt der Hofrat, „wir sorgen nicht nur für eine gewisse Ordnung, sondern auch für Kontinuität im Außenauftritt des Landes.“Dass dabei zahlreiche Sonderwünsche erfüllt werden müssen und man auf einzelne Befindlichkeiten einzugehen hat, liegt in der Natur der Sache. Doch Tiefengruber stülpt darüber – gentlemanlike – den Mantel des Schweigens. Nur ein Moment ist ihm in besonderer Erinnerung geblieben: „2005 lud Waltraud Klasnic zwei frühere britische Offiziere, die in der Nachkriegszeit in Graz stationiert waren, zu einem Essen ein. Ich machte daraufhin im Landesarchiv die Menüfolge ausfindig, die 1948 in der Burg bei einem Empfang für hohe Vertreter der britischen Besatzungsmacht gereicht worden war. Im Wiesler wurde das Menü nachgekocht und das Geschirr von damals verwendet, das im Keller des Hotels aufbewahrt worden war.“ Dazu gab’s Jazz und Swing der 1940er-Jahre. „Die beiden Herren hatten Tränen in den Augen“, erzählt Tiefengruber.Der im Sommer, nach mehr als zwei Jahrzehnten an der Spitze des Protokolls, an seinen Nachfolger Gerfried Schönangerer übergeben und sich in die „zweite Reihe“ zurückgezogen hat. Der Landesbedienstete kann sich damit auch einer neuen ehrenamtlichen Aufgabe widmen: Im November des Vorjahres wurde er zum Diakon für den Seelsorgeraum Graz-Mitte geweiht.
Rückzug und Neustart – Vom Protokollchef der Steiermark zum Diakon 2026
IUSTITIA.BG – Investigations 2009-2026 2026-08-23 06:20:22
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