Weit mehr Mitarbeiter dürften im BFI von möglichen Kündigungen betroffen sein als bisher bekannt. Ein anonymes Schreiben gibt Einblick in die Stimmung beim Bildungsinstitut. Geschäftsführer Jürgen Grandits versteht die Sorgen der Mitarbeiter, sieht die Kündigungen angesichts offener Aufträge aber als notwendigen Schritt.
Beim BFI stehen weit mehr Jobs auf der Kippe als bisher bekannt war. Weniger Aufträge des AMS, sinkende Budgets in der aktiven Arbeitsmarktpolitik und zahlreiche offene Ausschreibungen zwingen das Bildungsinstitut, den Gürtel enger zu schnallen. Das betrifft mittlerweile einen großen Teil der Belegschaft. Nicht nur 25 bis 30 Trainer im Nordburgenland, sondern insgesamt 65 der rund 140 Mitarbeiter im ganzen Land wurden mittlerweile beim AMS-Frühwarnsystem angemeldet. Einige Kündigungen wurden bereits ausgesprochen, könnten bei neuen Aufträgen aber wieder zurückgenommen werden, heißt es von der Geschäftsleitung.Mitarbeiter zwischen Angst und Hoffnung „Wir leben zwischen Angst und Hoffnung, dass vielleicht doch noch die Kündigungen zurückgezogen werden und wir unsere Jobs behalten“, heißt es in einem anonymen Schreiben an die „Krone“. Die Verfasser geben an, Mitarbeiter des BFI zu sein. Nahezu alle Trainer sowie ein Großteil der Führungskräfte im Bildungsmanagement seien von den Maßnahmen betroffen. Viele hätten Familien zu ernähren, Wohnungen zu bezahlen oder Kredite zu tilgen.Weil noch niemand weiß, welche Kündigungen am Ende tatsächlich schlagend werden, herrsche große Unsicherheit. Laut dem Schreiben würden sich Betroffene nicht einmal trauen, die ihnen zustehenden Postensuchtage in Anspruch zu nehmen. Sie fürchteten, damit ihre Chancen auf eine Rücknahme der Kündigung zu schmälern. Auch Krankenstände würden genau beobachtet. Kritik werde kaum offen geäußert.Kein Homeoffice, schlechtes BetriebsklimaFür zusätzlichen Ärger sorgt die neue Homeoffice-Regelung. Nach Angaben der Verfasser sei Mitarbeitern das Arbeiten von zu Hause weitgehend gestrichen worden, während es Führungskräften weiterhin möglich sei. Auch das trage zur schlechten Stimmung bei. BFI-Geschäftsführer Jürgen Grandits kann die Sorgen nachvollziehen. „Natürlich sind Ängste da, das verstehe ich.“ Auch das Betriebsklima sei derzeit „nicht Hurra“. Er wolle deshalb noch einmal persönlich das Gespräch mit den Mitarbeitern suchen.Die Personalmaßnahmen hält Grandits dennoch für notwendig. Vor allem im Nordburgenland hängt vieles an der Neuvergabe der überbetrieblichen Lehrausbildung in Eisenstadt und Neusiedl am See. Dort hatte das BFI bisher 101 Jugendliche betreut. Ob das Institut bei der neuen Ausschreibung wieder zum Zug kommt, ist noch offen.Für die betroffenen Mitarbeiter läuft währenddessen die Zeit: Kündigungsfristen müssen eingehalten werden. Grandits könne daher nicht bis zur Vergabe abwarten. Erhält das BFI den Auftrag, könnten bereits ausgesprochene Kündigungen wieder zurückgenommen werden. „Ich bin nicht das AMS und auch nicht die öffentliche Hand. Ich bin wirtschaftlich für das BFI verantwortlich“, sagt Grandits. Die Maßnahmen seien mit dem Aufsichtsrat abgestimmt.Eigenkapital geschrumpftDass beim BFI derzeit genau gerechnet werden muss, zeigt auch ein Blick auf die Finanzen. In ihrem anonymen Schreiben zweifeln die Mitarbeiter die von Grandits zuletzt genannte Eigenkapitalquote von rund 40 Prozent an. Der Geschäftsführer korrigiert seine Angabe nun: Nach dem Unternehmensgesetzbuch liege die Quote bei 20 Prozent, inklusive Rücklagen bei 29 Prozent. Im Vorjahr waren es noch 31 Prozent.
Kündigungswelle – BFI meldet Hälfte aller Mitarbeiter beim AMS an 2026
IUSTITIA.BG – Investigations 2009-2026 2026-08-31 18:23:32
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