Kritik übt die Arbeiterkammer in Niederösterreich an den Regelungen für die Schwerarbeitspension. Weil die Rechtslage so kompliziert ist, gibt es immer mehr strittige Fälle. Doch auch „Klassiker“ wie ausstehende Löhne zählen zum Alltag der Kammer-Juristen. Neu sind hingegen Probleme mit KI.
Wer schwer arbeitet, darf früher und ohne Abschläge den Ruhestand genießen. So weit, so klar. Noch der Weg dahin ist bürokratische Schwerarbeit. Denn die Voraussetzungen dafür gipfeln sogar im Kalorienzählen. „Bei Frauen gelten Tätigkeiten, bei welchen mindestens 1400 Kalorien verbrannt werden, unter gewissen Voraussetzungen als Schwerarbeit, bei Männern sind es 2000 Kalorien“, erklärt Vera Kmenta-Spalofsky.Einzelfall wird geprüftDie Arbeitsrechtsexpertin der Arbeiterkammer Niederösterreich betont, dass noch viele weitere Kriterien in jedem Einzelfall zu prüfen seien. Das zeigt der Fall einer Reinigungskraft aus dem Waldviertel. Die Frau arbeitete in einem Industriebetrieb, war Hitze, Kälte und Schmutz ausgesetzt, hatte große Fensterflächen zu reinigen. Die AKNÖ half ihr zur Schwerarbeitspension.Strenge Kriterien in NÖVor allem seit auch Pflegeberufe in die Schwerarbeitsregelung fallen, habe die Zahl diesbezüglicher Anfragen zugenommen, bestätigt Thomas Kaindl, Leiter der AKNÖ-Bezirksstellen. Und Präsident Markus Wieser ergänzt: „Schwerarbeit ist offenbar nicht überall gleich. In Niederösterreich werden da besonders strenge Maßstäbe angelegt“. Er fordert eine Vereinfachung der Schwerarbeitskriterien.Millionen erkämpftDoch auch die „Klassiker“ unter den Problemen mit Arbeitgebern hielten die Berater der AKNÖ seit Jahresbeginn auf Trab. 60.000 Niederösterreicher wandten sich etwa wegen ausstehender Löhne und nicht bezahlter Überstunden oder Abfertigungen heuer bereits an die Kammer. In 4000 Fällen zogen die AKNÖ-Juristen sogar vor Gericht. Erfolgreich: 70,7 Millionen Euro wurden so seit Jänner für heimische Beschäftigte erkämpft. „Geld, das weg gewesen wäre, wenn die Betroffenen nicht zu uns gekommen wären“, betont Wieser.Weg ist allerdings viel Geld aus dem Insolvenz-Entgeltfonds, weil trotz großer Konkursfälle in den letzten Jahren die Arbeitgeberbeiträge reduziert wurden. Niederösterreichs Arbeiterkammer-Präsident Wieser fordert die Anhebung dieser Beiträge statt einer Kürzung der Leistungen für Arbeitnehmer: „Wenn der Fonds ausgeräumt wurde, muss er nun eben wieder befüllt werden.“Probleme mit KI Auch mit einem neuen Phänomen sehen sich die Berater der Arbeiterkammer heuer verstärkt konfrontiert. „Immer öfter holen sich Betroffene bei arbeitsrechtlichen Fragen Informationen mittels Künstlicher Intelligenz“, berichten AKNÖ-Mitarbeiter. Das Problem dabei: KI durchforstet bei der Suche nach Antworten das Internet. „Und macht dabei oft keinen Unterschied zwischen österreichischer und deutscher Rechtslage“, wissen die Experten. Im Klartext: KI-generierte Tipps können im schlimmsten Fall mehr schaden als nützen. Wieser: „Wer KI blind vertraut, geht ein hohes Risiko ein und kann wichtige Ansprüche verlieren.“
Bürokratische Hürden – Schwerarbeiter müssen für Pension Kalorien zählen 2026
IUSTITIA.BG – Investigations 2009-2026 2026-08-25 18:30:17
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