Die Standler am Grazer Lendplatz fühlen sich im Stich gelassen. Suchtkranke und Spritzen gehören inzwischen zum Alltag. Denn viele Abhängige und Dealer weichen seit der Einführung der Schutzzone im Volksgarten auf den beliebten Marktplatz aus. Eine Lösung für das Problem ist derzeit nicht in Sicht.
„Man kann es nicht nicht sehen“, ist Claudia Günzberg, Betreiberin des La Meskla am Grazer Lendplatz, überzeugt. Sie spielt auf suchtkranke Personen, herumliegende Spritzen und verlorene Tabletten an, die den Standlern vor Ort aktuell große Sorgen bereiten. Denn die Situation am beliebten Marktplatz spitzt sich immer weiter zu, die Standbetreiber fühlen sich machtlos.„Abhängige setzen sich am helllichten Tag direkt vor meinem Stand, oder etwas geschützt dahinter zwischen den Ständen, einen Schuss. Die benutzten Spritzen liegen dann herum“, schildert sie inzwischen alltägliche Szenen.Zugangscode bei Toiletten zeigt WirkungDer Grund für den Anstieg des öffentlichen Konsums in letzter Zeit liegt in der Installation eines neuen Code-Systems bei den Toiletten. „Das WC war bisher ein Rückzugsort für die Suchtkranken, jetzt ist es versperrt. Das ist einerseits super, weil es jetzt wieder bedenkenlos von unseren Kunden benützt werden kann – den Abhängigen fehlt aber dieser nicht öffentliche Platz, darum konsumieren sie einfach hier“, erklärt Günzberg.Das bestätigt auch Bernhard Binder, Chef vom Marktgraf: „Die Situation bei der Toilette war im Winter immer extrem, weil das Damenklo beheizt ist. Das ist jetzt mit dem Zugangscode deutlich besser. Dafür sind die Drogenabhängigen jetzt rundherum zu beobachten.“ Die Folgen davon sind auch vor seinem Stand nicht zu übersehen: „Die Spritzen liegen überall herum.“„Politik soll betreute Schutzräume einführen“Die Problematik ist vor allem seit der Einführung der Schutzzone im Juli 2024 im nahe gelegenen Volksgarten ein Thema: „Diese Schutzzone hat das Drogenproblem nicht gelöst. Sie hat es nur verlagert und jetzt sind noch mehr Leute direkt davon betroffen“, ist Binder überzeugt. Das sieht auch Bernhard Bauer, Betreiber des Imbiss Hauser, so: „Die Dealer sind einfach auf den Lendplatz ausgewichen und versammeln sich jetzt hier.“Die Standler appellieren deshalb an die Politik: „Es braucht dringendst einen Schutzraum in Graz, wo Suchtkranke ihre Substanzen kontrollieren und konsumieren können. So wie es ihn bereits in vielen großen Städten Europas gibt.“Das Unverständnis, warum über derartige Räume seitens der Politik nicht einmal ordentlich diskutiert wird, ist bei den Standlern groß. „Selbst, wenn man die Schutzzone des Volksgartens auf den Lendplatz ausweiten würde, das würde das Problem ja wieder nur verlagern. Wir brauchen endlich eine Lösung. Diese Menschen sind krank, man muss versuchen, sie zumindest ein bisschen zu unterstützen“, betont Binder.
Standler besorgt – Beliebter Grazer Markt wird neuer Drogen-Hotspot 2026
IUSTITIA.BG – Investigations 2009-2026 2026-08-25 04:12:27
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