Wer Illegales kaufen möchte, treibt sich für derartige Einkäufe meist im Darknet herum. Nun kam man von Wien aus einem 35-jährigen Chinesen auf die Spur. Der sackte für den vermeintlichen Verkauf von Kindesmissbrauchsvideos und Co. Bitcoins ein, lieferte aber keine Ware. Indes wurden neun pädophile Österreicher ausgeforscht.
Kindermissbrauch, Drogen, geklonte Kreditkarten, Gewaltvideos – im sogenannten Darknet gibt es nichts, was zu illegal ist, um Geld daraus zu lukrieren. Dementsprechend aktiv gehen auch die europäischen Sicherheitsbehörden gegen Umtriebe im „dunklen Zwilling“ des Internets vor. So auch das Dezernat Cybercrime beim Bayerischen LKA sowie das Zentrum zur Bekämpfung von Kinderpornografie und sexuellem Missbrauch im Internet (ZKI) bei der Staatsanwaltschaft Bamberg. Schon seit Mitte 2021 beobachtete man von Bayern aus eine Darknet-Kindesmissbrauchsplattform, deren Name hier nicht genannt werden soll. Das Besondere daran? Die Ermittler bekamen tatkräftige Unterstützung aus Wien.Komplexe Analysen halfen bei der StrafverfolgungIm wunderschönen Palais Rothschild im dritten Wiener Gemeindebezirk ist das Complexity Science Hub (CSH) untergebracht. Hier finden wissenschaftliche Analysen statt, die der Gesellschaft hilfreich sein sollen. Schon seit 2022 arbeite man mit den bayerischen Behörden zusammen, um die Analysen für die Strafverfolgung nutzbar zu machen, erklärt CSH-Forschungsleiter Bernhard Haslhofer der „Krone“ beim Besuch in der Metternichgasse. „Wer die Analysemethoden beherrscht und versteht, wie kriminelle Strukturen im Darknet funktionieren, kann sie auch zerschlagen“, fügt er hinzu.Genau das passierte in Wien: Zwar schützt das Darknet die Anonymität seiner Nutzer und verschlüsselt alles. Dennoch gelang es, ausgehend von einer Kindesmissbrauchsplattform, hunderttausende weitere Seiten ein und demselben Mann zuzuordnen.Täter wütete von 2020 bis 2025Am Freitag präsentierten Bayerns Innen- und Finanzminister die beeindruckenden Ergebnisse. Die unglaubliche Zahl von 373.000 Darknet-Seiten – bei allen handelt es sich um Betrug, bei dem die Kunden zwar zahlten, aber nichts bekamen – konnte zu einem einzigen Chinesen zurückverfolgt werden. Von Februar 2020 bis Juli 2025 bot der Täter, nach dem nun samt Foto weltweit gefahndet wird, gegen die Zahlung von 20 bis 250 Dollar Pakete mit Videos und Daten an. Von den rund 600 Nutzern der Kindesmissbrauchsplattformen konnten schon 440 Personen, darunter ein Familienvater (31) aus Bayern, der versuchte, beim Polizeizugriff alle Daten zu löschen, ausgeforscht werden.Womit der Fall eine weitere Spur nach Österreich aufweist. Denn neun der 437 Ausgeforschten sind laut Staatsanwaltschaft Pädophile aus Österreich. Ob und wo es Hausdurchsuchungen gab, wollte man nicht verraten. Von 9. März bis 19. März kam es jedenfalls zu einer weltweiten Aktion gegen die Nutzer der Plattformen, zahlreiche Personen konnten festgenommen werden. Wer sich allerdings noch immer auf der Flucht befindet, ist der 35-jährige chinesische Haupttäter. Am 18. März wurden schließlich 105 Server und 373.000 Darknet-Seiten beschlagnahmt und mit einem Sperrbildschirm versehen.Im Palais Rothschild freut man sich über den gemeinsamen Erfolg. Der „Krone“ zeigte man die visuelle Darstellung des Falles in Form von Galaxien. Jeder Punkt stehe für eine Darknet-Seite, viele seien miteinander verknüpft. Man schaue sich bei der Analyse nicht nur eine Seite und einen Punkt an, sondern das große Ganze. Und das führt nach langwieriger Arbeit meist zum Ziel.20.000 Österreicher nutzten täglich das DarknetEine Frage, die sich bei der obigen Lektüre wohl der ein oder andere stellen wird, lautet: Was ist das Darknet überhaupt? Einer, der unter dem Titel „Darknet. Die Welt im Schatten der Computerkriminalität“ selbst ein Buch über den „dunklen Zwilling“ des Internets geschrieben hat, ist der Cyberexperte der „Krone“, Dr. Cornelius Granig.Einst für Kommunikation in Diktaturen geschaffenDer Sicherheitsprofi beschreibt es als einigermaßen gut versteckten Teil des Internets, das über einen speziellen Browser zugänglich ist – den sogenannten Tor-Browser: „Das Darknet wurde vor 25 Jahren als Verschlüsselungsnetzwerk mit Unterstützung staatlicher amerikanischer Stellen geschaffen, um die anonyme Kommunikation von Bürgerrechtsaktivisten in Diktaturen sicher zu machen“, erklärt er im Gespräch mit der „Krone“ die Beweggründe, die zur Darknet-Gründung geführt hatten.Durch den Einsatz des Tor-Browsers, der Daten über mehrere Knoten leitet, ist es möglich, die Identität und Lokation des Benutzers zu verbergen. Eine große Zahl von Menschen nutzt diese Möglichkeit der sicheren Kommunikation, um etwa in unsicheren Staaten oder im Zuge großer Skandale als Whistleblower Straftaten anzuzeigen oder um – auch als Journalist – unerkannt Webseiten anzusehen.Darknet-Besuche sind an sich nicht strafbarLeider gibt es seit der Gründung des Darknets auch viele Straftäter, die das für alle offene und kostenlose Darknet für ihre Straftaten einsetzen. Besonders oft geht es um schwere Straftaten wie Erpressung, Drogen- und Waffenhandel, die Verbreitung von verbotenen pornografischen Inhalten oder um den Verkauf von sensiblen Daten. Der Besuch von Darknet-Seiten an sich ist übrigens nicht strafbar, aber auch ebenso wenig zu empfehlen. Auch, weil Schadsoftware ebenso weitverbreitet ist wie Fake-Angebote. In Österreich nutzen jeden Tag ca. 20.000 Menschen das Darknet – weltweit sind es circa sechs Millionen.
Österreichische Hilfe: – 373.000 Darknet-Seiten lahmgelegt, Täter flüchtig 2026 IUSTITIA.BG – Investigations 2009-2025 2026-03-20 10:05:46
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