Knapp vier Jahre lang ringt die Polizei nun schon mit einer Bande, die giftige und ätzende Säure in Türschlösser träufelt. Jetzt gelang ein großer Schlag: Dank einer im Vorraum montierten günstigen Kamera überführte ein Landstraßer Paar den Kopf der kriminellen Gruppe. Er war ausgezeichneter Sportler – die Gier nach Edelmetallen sollte ihn nie loslassen.
Erst habe sie sich Vorwürfe gemacht, erzählt Verena (Name geändert) beim Besuch der „Krone“ in ihrer Wohnung im Landstraßer Weißgerberviertel. Ihr Handy hatte in der Nacht auf 19. August, exakt um 2.42 Uhr, ein seltsames Geräusch von sich gegeben. Komisch, dachte sich die Wienerin, die gerade mit ihrem Mann auf Urlaub in Niederösterreich war. Als sie das Handy öffnete, traf sie die Erkenntnis wie ein Blitz: „Bei uns wird gerade eingebrochen!“ Einbrecher laufen seelenruhig vor Kamera herumDas Pärchen hatte um damals 150 Euro im Internet eine Kamera bestellt, um sie im Vorraum zu montieren. Nun lieferte jene Kamera in Echtzeit Bilder, die Verena und ihr Mann nie mehr vergessen werden. Seelenruhig bereiten sich zwei Männer, wie auf den Bildern ersichtlich, auf einen Einbruch vor. Sie ziehen ihre Handschuhe an, durchwühlen das Schlafzimmer der Wohnung, werfen alles durcheinander. Sie sind auf der Suche nach Geld, Goldmünzen und Schmuck. Und nehmen dabei keine Rücksicht auf Eigentum. Knapp 160 Wohnungen in Wien betroffenZuvor hatten sie die Wohnung in dem Viertel, das schon seit November 2022 am häufigsten von den Einbrechern ins Visier genommen wird, ausgekundschaftet und mit einem hauchdünnen Kleberfaden markiert. Den Türspion hatten sie zur Sicherheit abgeklebt – wie auch jene der Nachbarn. Dann träufelte das Duo giftige und ätzende Salpetersäure in die Türschlösser. Und wartete, bis sich jene aufgelöst hatten. Eine Vorgehensweise, die seit 2022 bei 160 Wiener Wohnungen angewendet wurde. Der Schaden bewegt sich im Millionenbereich. Alarmknopf gedrückt, dann flüchtete DuoIn ihrer Aufregung und noch halb im Schlaf drückte Verena bei ihrem Handy auf einen Knopf, woraufhin die Kamera in der Wiener Wohnung laut los schrillte. Der Alarmton schreckte – wie die „Krone“ in der Videoaufzeichnung einsehen konnte – das Duo auf, das aus dem Schlafzimmer in den Vorraum eilte und hektisch die Kamera an sich nahm. Dann sieht man nur noch verschwommene Bilder der Flucht. „Hätte ich nicht auf den Knopf gedrückt, wären sie wohl nicht vor der Polizei schon weg gewesen“, schüttelt Verena den Kopf. Dass sie trotzdem entscheidend zu einer Festnahme beitragen sollte, wusste sie beim Besuch der „Krone“ noch nicht. Vor Kriminalkarriere war Einbrecher dekorierter RingerTatsache ist, dass ebenjene 150-Euro-Kamera das letzte Puzzleteil ist, das den Ermittlern gefehlt haben dürfte. Einer der Einbrecher, der ein T-Shirt trägt, offenbart der Kamera nämlich eine Tätowierung am Oberarm. Eine Tätowierung, die Kriminalisten in halb Europa kennen. Sie gehört dem Georgier Besiki S. Der 36-Jährige – ehemals holte er als Ringer Medaillen bei großen Asienmeisterschaften – wird bereits seit 2020 von Schweden gesucht. Irgendwie schaffte er es dennoch immer wieder, in europäischen Ländern ein- und auszureisen. Wie ist bisher unklar. Falsche Reisepässe und ein geänderter Nachname dürften dabei eine Rolle gespielt haben. EU-Haftbefehl, dann schlugen slowakische Fahnder zuAn Österreich dürfte der Ex-Sportler einen Narren gefressen haben, soll er doch für den Großteil der seit 2022 anhaltenden Serie in Wien maßgeblich verantwortlich sein. Seine Tätowierung führte für den 36-Jährigen jedoch zu einem jähen Ende im Gefängnis. Die heimischen Behörden erließen einen EU-Haftbefehl. Slowakische Zielfahnder schlugen vergangene Woche zu, als sich Besiki S. über Bratislava am Heimweg nach Georgien befand. Aktuell warten die österreichischen Ermittler wie auf Nadeln auf die Auslieferung des Ex-Ringers nach Wien. Schließlich gibt es seit fast vier Jahren jede Menge brennender Fragen, die nur er beantworten kann. Zumindest sechs Einbrüche sollen ihm schon sicher nachgewiesen werden können. Auch in Deutschland wurde Wiener Einbrecher erwischtEinen Tag später gab es übrigens die nächste Erfolgsmeldung. Auch in Berlin wurde ein georgischer Säureeinbrecher festgenommen. V. N. (48) soll bei einem Einbruch erwischt worden sein, seine DNA zuvor ebenso zumindest bei zwei bei Säure-Coups in Wien-Penzing hinterlassen haben. Verena und ihren Mann wird die Festnahme jedenfalls freuen. Das Paar, das nach dem Einbruch aus seiner Wohnung in Wien Reißaus nehmen musste, wird wohl stolz sein, dass sich die recht günstige Kamera letztendlich doch ausgezahlt hat. Und tatsächlich einen Einbrecherboss überführen konnte.
Top-Sportler in Haft: – 150-Euro-Kamera überführt Boss der Säure-Bande 2026
IUSTITIA.BG – Investigations 2009-2026 2026-08-25 11:45:26
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