In der Waldorfschule Eisenstadt, einer alternativen, privatrechtlich organisierten Schule, in der auch kreative, künstlerische, handwerkliche und soziale Fähigkeiten gefördert werden, wird statt Bier bald Bildung ausgeschenkt. Mit Schulbeginn übersiedeln die Lehrer und Kinder in ein ehemaliges Dorfwirtshaus im Stadtteil St. Georgen.
Am kommenden Montag, dem 7. September, beginnt für die 111 Mädchen und Burschen der Waldorfschule Eisenstadt ein ganz besonderes Schuljahr: Der Unterricht findet erstmals in einem ehemaligen Dorfwirtshaus im Stadtteil St. Georgen statt. Mehr als ein Jahr lang wurde das Gebäude umfassend saniert. Wo früher Gasträume waren, entstanden Klassenzimmer, Bewegungs- und Betreuungsräume. Nur die alte Schank, hinter der jahrzehntelang Wirt Reinhard Wimmer stand, ist geblieben. Sie soll künftig bei Veranstaltungen in der Aula wieder zum Einsatz kommen.Der Umzug war nicht nur eine Frage des Geschmacks. Das bisherige, gegenüber der Martinkaserne gelegene Schulgebäude war baufällig und längst zu klein geworden. Deshalb wurden am neuen Standort gleich acht Klassenzimmer eingerichtet. Bei Bedarf sind noch zusätzliche Klassen möglich. Immerhin umfasst die Waldorfschule zwölf Schulstufen – und die Nachfrage nach freien Plätzen steigt stetig.Neue Küche, neue ObfrauAuch abseits davon hat sich einiges getan. In der neuen Küche wird täglich das Mittagessen ausgegeben, das Caterer Viktor Paiszler aus Wulkaprodersdorf frisch liefert. Außerdem wurden im Erdgeschoß Räume zum Spielen, Malen, Basteln, Lesen und Ausruhen geschaffen. Den neu angelegten Innenhof-Garten dürfen die Schüler selbst gestalten.Mit dem neuen Gebäude beginnt auch personell eine neue Etappe. Im Vorstand des Trägervereins übernimmt mit 1. September Nicolette Wallmann das Amt der Obfrau. Sie folgt auf Franz Knipp, der die Waldorfschule zuletzt als Obmann begleitet hat. Wallmann ist Psychotherapeutin und lebt in Winden am See. Ihre Kinder Fridolin und Florentina, zehn und zwölf Jahre alt, besuchen selbst die Waldorfschule.Beide kamen als Quereinsteiger aus Regelschulen: „Ich kann verstehen, dass so viele Eltern alternative Bildungseinrichtungen suchen, wo individuell auf ihren Nachwuchs eingegangen wird“, sagt sie. In Regelschulen müssten Kinder oft einer gewissen Norm entsprechen.Vertrautheit und KonstanzAuch im Lehrkörper bringt das neue Schuljahr Veränderungen. Klassenlehrerin Lisa Fehringer-Kohl übernimmt die fünfte Schulstufe. Die Kinder, die sie ab Herbst begleitet, kennt sie bereits seit vier Jahren. „Diese Vertrautheit und Konstanz tut ihnen gut. So lassen sich auch pubertäre Krisen leichter durchtauchen.“ Julia Vickery-Stampf, Englisch- und Kunstlehrerin, gehört seit zwölf Jahren zum Waldorf-Kollegium. Als sie an der Schule begann, gab es gerade einmal 30 Schüler. Inzwischen sind es fast viermal so viele. „Insofern freuen wir uns nun alle über mehr Platz!“Besonders gespannt ist ihr Mann Joey Vickery auf den neuen
Bewegungsraum. Der gebürtige Kanadier ist Sportlehrer und weiß, wie beengt die
Situation bisher war. Für den Turnunterricht mussten externe Sporthallen
angemietet werden – oder die Kinder wichen in den Schlosspark aus. Damit ist
nun Schluss: „Der Bewegungsraum wird ein Hit!“Premiere für LehrerFür seinen Kollegen David Fehringer ist der Schulstart überhaupt ein persönliches Debüt. Der ehemalige Rettungssanitäter wird sich um neun Taferlklassler kümmern, die mit der zweiten Schulstufe unterrichtet werden. Fehringer kennt die Waldorfpädagogik nicht nur aus seinem Pädagogikstudium, das er im Vorjahr mit einem Master abschloss. „Das Schöne ist, dass auch ich jetzt die erste Klasse mache. Ich war selbst Waldorfschüler, stieß aber erst in der zweiten Schulstufe dazu. Nun kann ich diese Lücke schließen. Die Arbeit mit Kindern ist die ehrlichste, die man sich wünschen kann.“Ganz ohne finanziellen Kraftakt ist der Neustart allerdings nicht über die Bühne gegangen. Das Budget reichte für den Umbau „auf Anschlag“. Nun hofft man auf weitere Familien, die sich für die Waldorfpädagogik entscheiden und mit ihren Elternbeiträgen in die Zukunft der Schule investieren. Ab Herbst beträgt der Monatsbeitrag 550 Euro pro Kind.
Zirkel statt Zapfhahn – Ehemaliges Dorfwirtshaus nun mit Bildungsauftrag 2026
IUSTITIA.BG – Investigations 2009-2026 2026-09-01 03:51:17
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