Rund um die Uhr, an 365 Tagen im Jahr, ist das Team der Tierklinik Appenzell für seine tierischen Patienten im Einsatz. In der Klinik in Appenzell und direkt auf den Höfen kümmern sich Tobias Fritsche und seine Mitarbeitenden mit viel Herzblut um Hunde, Katzen, Kaninchen, Vögel und Reptilien, sowie um Rinder, Pferde, Schweine, Schafe und Geissen. Zahlreiche Haustierhalter und Landwirte vertrauen auf die Erfahrung des Tierarztes, der vor 33 Jahren in die Fussstapfen seines Vaters getreten ist. Dass die Zukunft der Familienklinik gesichert ist, war ein passender Anlass, die landwirtschaftliche Kundschaft zu einem Vortragsabend in die «Krone» Gais einzuladen.
Neue Generation in der Tierklinik
Seit Anfang Jahr ist Damian Iten, langjähriger Mitarbeiter der Tierklinik Appenzell, als Teilhaber in die Geschäftsleitung eingestiegen. Der Bauernsohn aus Grossdietwil LU ist seit Kindheit eng mit Tieren verbunden. Der respektvolle Umgang mit Gross- und Kleintieren und sein feines Gespür für ihre Bedürfnisse machen seine Arbeit zu einer Herzensangelegenheit. Mit ihm als Teilhaber stellt die Familienklinik die Weichen für eine kontinuierliche Weiterentwicklung.
Ab Sommer 2026 verstärkt Dominik Fritsche das Team der Tierklinik Appenzell. Der Sohn des Inhabers arbeitet zurzeit noch als Grosstierarzt im thurgauischen Hefenhofen. Er wird in einigen Jahren, wenn seine Eltern kürzertreten möchten, gemeinsam mit Damian Iten die Klinik leiten. Der junge Tierarzt betreut seine tierischen Patienten mit Fachwissen, Erfahrung und viel Einfühlungsvermögen. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit ist der Ultraschall, mit dem er Diagnosen präzise stellen kann. Dank der Verstärkung im Team sollte die Tierklinik Appenzell über zusätzliche Kapazitäten verfügen. So kann sie wiederum neue Landwirtschaftsbetriebe in ihren Kundenkreis aufnehmen.
Nassmessung deckt Melkprobleme auf
Der Fachvortrag von Veterinärmedizinerin Diana Schäfer in der «Krone» Gais zur gezielten Optimierung des Melkens stiess bei rund 80 Landwirtinnen und Landwirten auf grosses Interesse. «Die Kuh muss die Milch freiwillig abgeben. Deshalb sollte das Melken für sie so angenehm wie möglich sein», erklärte die Tierärztin, die mit Dominik Fritsche in der Praxis im Moos in Hefenhofen arbeitet. Ist eine Kuh angespannt oder gestresst, geht sie ungern zum Melken oder verweigert es ganz. Das führt schnell zu Problemen. Die Ursachen sind oft schwer zu erkennen.
Hier setzt die sogenannte Nassmessung an, die in Hefenhofen seit einigen Jahren eingesetzt wird. Dabei wird während des Melkens gemessen, wie viel Milch jede einzelne Zitze abgibt. So lässt sich feststellen, ob das Melkgerät richtig sitzt oder ob es Störungen gibt. Die Methode hilft, Probleme früh zu erkennen und gezielt zu beheben. Das verbessert den Melkablauf und erhöht das Wohlbefinden der Tiere.
Im Milchlabor auf Spurensuche
Im Beitrag «Unser Milchlabor – von der Probe bis zur Behandlungsempfehlung» erklärte Dominik Fritsche, wie Milchproben zur Gesundheitskontrolle von Kühen genutzt werden. Im Labor wird die Milch untersucht, um frühzeitig Krankheiten oder Entzündungen zu erkennen. Die Resultate helfen, gezielt zu entscheiden, ob und wie ein Tier behandelt werden soll. So können Probleme früh erkannt, unnötige Medikamente vermieden werden. Das wiederum verbessert die Gesundheit der Tiere langfristig.
Ein Problem der Gesellschaft
«PFAS ist ein gesellschaftspolitisches Problem. Wir haben als Gesellschaft von PFAS profitiert, jetzt müssen wir die Folgen auch gemeinsam lösen», sagte Bruno Inauen. Bei seinen Ausführungen über die aktuellen Herausforderungen in der Landwirtschaft sprach der Leiter des Landwirtschaftsamtes des Kantons St. Gallen ein Thema an, das die Bevölkerung stark beschäftigt: PFAS, die sogenannten «Ewigkeitschemikalien». Die schwer abbaubaren Stoffe stehen seit Längerem im Fokus, weil sie in der Umwelt kaum verschwinden und auch die Landwirtschaft vor neue Probleme stellen. Welche Auswirkungen sie auf Umwelt und Gesundheit haben und in welchen Konzentrationen sie problematisch werden, ist noch nicht abschliessend erforscht. Derzeit laufen verschiedene Projekte zur Untersuchung und Reduktion von PFAS-Belastungen in Umwelt, Boden, Wasser und Landwirtschaft. Erforscht werden vor allem Verbreitung, Auswirkungen und mögliche Massnahmen zur Sanierung oder Begrenzung.
Mehr Spielraum, mehr Verantwortung
Ein weiteres Fokusthema der Bäuerinnen und Bauern ist die Agrarpolitik 2030+. Sie ist das Reformprojekt des Bundesrates für die Landwirtschaft ab 2030 und soll die Ernährungssicherheit stärken, die Betriebe von Bürokratie entlasten und die Lebensmittelproduktion nachhaltiger machen. Kernpunkte sind mehr unternehmerischer Spielraum für die Bauern, bessere Marktbedingungen und ein sorgfältigerer Umgang mit Boden, Wasser und Klima. Der Bundesrat hat die Leitplanken festgelegt, bis Herbst 2026 folgt eine konkrete Gesetzesvorlage, über die das Parlament entscheidet. «Die Agrarpolitik 2030+ soll den Betrieben mehr Handlungsspielraum geben, ihnen aber auch mehr Verantwortung übertragen», erklärte dazu Bruno Inauen dem landwirtschaftlichen Publikum im «Krone»-Saal. Ziel ist es, eine sichere Versorgung mit Lebensmitteln, stabile Einkommen und eine umweltverträgliche Produktion besser miteinander zu vereinbaren.
Der Beitrag Kühe, Klinik und Chemie geben zu reden erschien zuerst auf appenzell24.ch.
Kühe, Klinik und Chemie geben zu reden 2026 IUSTITIA.BG – Investigations 2009-2025 2026-05-03 09:39:59
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