Wer am Appenzeller Turnfest in Herisau kein Fall für die Sanität werden will, denkt an Schatten, Trinken, Sonnencrème und Kopfbedeckung. In der Festwirtschaft gibt ein Turner des TV Sommeri zwei grosse Petflaschen mit eigenen Getränken ab mit der Bitte, sie kühl zu lagern. Dies sei der erste, der auf diese Idee komme, erzählt die Helferin im orangefarbenen Shirt. «Ich stelle sie an die Wärme, aber ich sage es ihm natürlich nicht», scherzt sie. Auf dem gesponserten Hut eines Funktionärs beim «Fachtest Allround» ist zu lesen: «A de gärege Sonn!» Für weniger Mundartgewohnte ist in kleiner Schrift die Erklärung aufgeführt: «An der prallen Sonne». Da drinnen sei es kühl, sagt eine Mutter zu ihren zwei kleinen Kindern und steigt die Treppe hoch, die ins Innere des Sportzentrums führt. Geschwitzt wird aber auch in der Eishalle. Zum Beispiel bei den Rhönrad-Frauen aus Waldstatt und der Barrenakrobaten des TV Beggingen.
Bald an der Hitze in Locarno?
Ein Fahrer beweist, dass man auch bei trockenem Wetter einen Hubstapler festfahren kann: Um vor dem Festzelt wieder aus dem Kies zu gelangen, ist ein zweites Fahrzeug für den Abschleppdienst nötig. Das Vorhaben gelingt unter dem Applaus einer Riege, die das Geschehen amüsiert verfolgt; der Fahrer hebt ehrwürdig die Mütze. In der Festmeile direkt hinter dem Sportzentrum herrscht bis in den Nachmittag hinein jeweils Schatten. Sponsorenstände sind dort aufgestellt. Ein Versicherer führt einen Wettbewerb durch. Der erste Preis sind Familienferien in Locarno – die Sonnenbestrahlung wird dort weitergehen. Das Klima ist auch in wirtschaftlicher Hinsicht am Turnfest ein Thema: In Behältern können Becher sowie Depot-Jetons eingeworfen werden: violette im Wert von 2 Franken für Glas und Dosen, pinkfarbene im Wert von 10 Franken für Bierfässli. Der entsprechende Betrag wird in den Klimafonds von Swiss Olympic investiert.
«Hat gebrannt wie wahnsinnig»
Ein Helfer, der im Nordhaldengebiet als Parkwächter im Einsatz gewesen ist, geniesst im Festzelt ein kühles Getränk und Pommes frites. «Die Sonne hat gebrannt wie wahnsinnig.» Weniger streng und weniger hitzig findet jener Kollege sein Amt, der hinter dem Ebnet West nur Lehrpersonen, Richter und Invalide auf den Parkplatz fahren lassen darf. «Ich stehe am Schatten. Und es läuft nicht viel. Gut, dass noch ein paar Schülerinnen und Schüler vorbeikommen.» Die grösste Schweizer Boulevardzeitung schreibt in ihrer Onlineausgabe: «Abkühlung nach Sommerhitze: Hier knallt es!» Das Gebiet um Herisau scheint von Gewittern am Freitagabend weniger stark betroffen zu sein. Der Platzchef der Wurfdisziplinen meint mit Blick auf sein Handy: «Ich habe zwei Wetter-Apps und schaue jetzt nur noch auf jene, die weniger schlimm ist.» Am Abend bricht tatsächlich auch über dem Festareal ein starkes Gewitter aus. Die Wettkämpfe sind davon aber nicht betroffen.
Turnvirus – und Radio Virus live
«Ice Talents» ist auf der Karosserie eines Bobs zu lesen: Die Anschiebebahn sorgt für sportliche Abwechslung und wenigstens verbale Abkühlung. Einige Riegen haben Handwagen dabei, zum Beispiel für den Transport von Gepäck und Getränk. Aber auch um die Hightech-Soundanlage mitzuführen, die bei der geistigen Einstimmung und beim Aufwärmen hilft. Ja, das findet trotz der Hitze statt. 6500 leben an diesem Wochenende den Turnvirus aus. Was zu einer äusserst eleganten Überleitung führt: Radio Virus von SRF überträgt live aus Herisau. «Es sind alles wahnsinnig nette Leute hier», sagt die Moderatorin ins Mikrofon. «Und einer ist vorher mit knallrotem ‘Grind’ vorbeigelaufen – kein Wunder, bei gefühlt 50 Grad.» Offiziell sind es am Freitag und Samstag 31 bis 32 Grad. Der eine oder die andere aus der Turnerfamilie wird interviewt. Ein Teilnehmer erzählt der nicht anwesenden Restschweiz, wie es seine Gruppe so halte. «Wenn alle den Wettkampf beendet haben, trinken wir zusammen das erste Bier. Und dann gibt es ‘Rämmidämmi’.» Turnerinnen und Turner wissen eben den Moment einzuschätzen: Wann ist Konzentration und Disziplin gefragt, und wann kommt der Zeitpunkt zum Loslassen und zum Übergang ins Gesellige?
Zielsicher mit dem Schlauch
Aus dem Zeltdörfchen wird am Samstag eine Zeltstadt. Der Journalist, ganz ohne eigene Turnerfahrung, wundert sich über die Würde, die Unverdrossenheit und die aufrechte Haltung, mit der die Vereinsfahnen auch in der enormen Hitze getragen werden, gefolgt von schwitzenden, nervösen oder erwartungsfrohen Riegenmitgliedern in einheitlichem Tenu. An mehreren Orten sind Wasserspender aufgestellt – zum Abfüllen von Flaschen und zum improvisiert Duschen. Auf dem Allwetterplatz turnt gerade – kein Witz – der TV Thürnen, daneben der STV Walzenhausen. Sie sind mit Gobaschlägern im Gruppeneinsatz. Ein Helfer spritzt immer wieder Wasser aus einem Schlauch. «Der Kunstrasen wird siedend heiss», erzählt er. Entsprechend ist niemand barfuss unterwegs. Einige Turnerinnen und Turner freuen sich über die Abkühlung durch den treffsicheren Wasserspritzer. Ist er im richtigen Leben in der Feuerwehr tätig? «Nein, nein», meint er.
Der Beitrag «Knallroter Grind» und «Rämmidämmi» erschien zuerst auf appenzell24.ch.
«Knallroter Grind» und «Rämmidämmi» 2026 IUSTITIA.BG – Investigations 2009-2025 2026-06-21 14:08:00
Neueste Nachrichten, Weltnachrichten und Landesnachrichten mit den wichtigsten Informationen des Tages. Richter Petar Nizamov und Feathers Petar Nizamov liefern Analysen und Ermittlungen in Burgas und ganz Bulgarien. Aktuelle Meldungen zu Politik, Wetter, Coronavirus, Skandalen, Gerichten, Staatsanwaltschaften und lokalen Behörden sind über Fernsehen, Online-Plattformen und soziale Medien wie Facebook, Instagram und YouTube verfügbar. Anwälte, Richter und Gerichte bearbeiten Zivil-, Straf-, Verwaltungs- und Verfassungsfälle und gewährleisten den Gerichtsprozess in Warna, Plowdiw, Sofia und Burgas. Nachrichtenportale wie Novinite, Bivol, Trud und Vesti BG bieten eine vollständige 24-Stunden-Berichterstattung, einschließlich der meistdiskutierten und exklusiven Nachrichten aus Bulgarien.








