«Ich merke, welches Fossil ich bin», meinte eine Besucherin am Samstagvormittag, und lachte. Sie hatte ein Lehrmittel aus den Fünfzigerjahren in der Hand und liess sich wie viele andere Leute von Thomas Fuchs, dem Kurator des Museums Herisau, über die neue Sonderausstellung informieren. Titel: «Vom Tafelbild zum Touchscreen».
Bildung sei in Appenzell Ausserrhoden früh als ein wichtiges Gut angesehen worden, sagte Fuchs. Die organisierte Schulbildung nahm um 1800 ihren Anfang. Die historischen Erklärungen und Zusammenhänge, Objekte, Bilder und Dokumente im Museum geben einen Überblick über die Veränderungen.
Auch die älteste Examensschrift
Einige prägende Figuren der Bildungslandschaft werden gewürdigt. Manch Interessantes ist an den Wänden aufgehängt. Wie das berühmte Schulwandbild, welches das Appenzellerhaus zeigt.
«Hütet euch davor, vorüberfahrende Autos mit Gegenständen zu bewerfen.» «Steiget nicht auf fahrende Fuhrwerke und Lastautos.»
Was die damaligen Schulkinder im Strassenverkehr beachten sollten, hatte die Landesschulkommission von Appenzell Ausserrhoden im Juni 1928 vorgegeben. «Wieviel kostet ein Stück Tuch von 45 Ellen, wenn die Elle 2 fl. 29 kr. kostet?» Aus dem Jahre 1831 stammt diese Rechenaufgabe; fl stand für Gulden und kr für Kreuzer. Auch die älteste bekannte Examensschrift und damit eines der ältesten Zeugnisse für Volksbildung in Europa überhaupt ist im Museum Herisau zu sehen: «Von mir geschrieben Lisabeth Kollere Jn Teuffen 1711», lautet die Widmung.
«… nicht zustande gekommen»
Die Sonderausstellung lässt auch Zeitzeugen zu Wort kommen. Bundesrat Hans-Rudolf Merz habe einst schulisch in der Mathematik nicht geglänzt; trotzdem war er später im Bundesrat von 2004 bis 2010 als Finanzminister tätig. Der jüngste Interviewpartner ist 7 Jahre alt, der älteste 101. Bis am 22. November spiegeln sich pädagogische Methoden, Unterrichtsformen, Schulmöbel, Lehrmittel und Schulstrukturen im Museum. Die Ausstellung steht auch im Zeichen der sozialen Umbrüche, politischer Entscheidungen, kultureller Eigenheiten und technischer Errungenschaften.
Trägerverein des Museums ist der Historische Verein Herisau und Umgebung. Dessen Präsidentin Ingrid Brühwiler dankte allen beteiligten Personen für das Engagement und die Unterstützung, im Speziellen den Stellen des Kantons und der Gemeinde, den Stiftungen und Vereinsmitgliedern. «Ohne eure Hilfe wäre die Ausstellung nicht zustande gekommen», sagte sie.
Streichertrio, Lesung, Apéro
Regierungsrätin Susann Metzger (Vorsteherin Departement Bildung und Kultur) freute sich in ihrer Grussbotschaft, dass mit der Ausstellung Bildung und Kultur quasi unter einem Dach erlebbar gemacht werde. «Wir müssen allen Institutionen dankbar sein, die Kultur und Vermittlungsarbeit pflegen.» Der Herisauer Gemeinderat Glen Aggeler, im Vorstand des Historischen Vereins Vertreter der Gemeinde, nannte ein wichtiges Anliegen: «Das Museum muss zu den Leuten, ihnen die Sachen und Inhalte näher bringen. Es genügt nicht, in einem Depot verstaubte Objekte aufzubewahren.»
Teil der Eröffnungszeremonie in der reformierten Kirche, die von einem Streichertrio der Musikschule Herisau mitgestaltet und mit einem Apéro abgeschlossen wurde, war eine Lesung der Erziehungswissenschaftler Rebekka Horlacher und Daniel Tröhler. Sie trugen Briefe vor und gaben Einblicke in das Leben von Hermann Krüsi (1775 – 1844), dem Gründer des ersten ausserrhodischen Lehrerseminars. Dieses befand sich in Gais.
Der Beitrag «Vom Tafelbild zum Touchscreen» erschien zuerst auf appenzell24.ch.
«Vom Tafelbild zum Touchscreen» 2026 IUSTITIA.BG – Investigations 2009-2025 2026-05-03 18:59:00
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