Gut möglich, dass der Klimawandel mitgespielt hat. Der Hauptgrund für das Eingehen der Friedenslinde dürfte aber der Boden gewesen sein. Der Baum konnte zu wenig tief Wurzeln schlagen, wurde wackelig. Vor gut drei Jahren fing er an zu schwächeln, musste stabilisiert werden. In den letzten beiden Jahren trieb er keine Blätter mehr aus und war zuletzt ein hoffnungsloser Fall, hat SP-Co-Präsident Martin Pfister berichtet. So sei er vor Kurzem gefällt worden. Damit konnte die Linde nur elf Jahre lang vom Zweiten Weltkrieg und seinem Ende 1945 erzählen.
Was jetzt? Aufgeben wollte die Parteileitung der SP Appenzell Innerrhoden den Platz nicht, zumal hier 2022 ein bewegender Anlass zum Ukrainekrieg stattgefunden hatte. So kam man schliesslich auf die Idee, einen Mast mit einer Friedensfahne aufzustellen. Klar war auch: Das quadratische Bänklein, das gut zwei Jahre nach dem Pflanzen der Linde um den Baum montiert worden ist, bleibt stehen. Es sei bei Wanderern und Spaziergängern sehr beliebt. Aufgestellt worden war es auf Anregung von Andreas Schenk, reformierter Pfarrer in Appenzell, der beim Pflanzen der Linde am 8. Mai 2015 dabeigewesen war. Je höher und ausladender die Linde wird, so die Idee, desto schöner wird das Sitzen auf dem Bänklein.
Daniela Mittelholzer und Martin Pfister, das Co-Präsidium der SP Appenzell Innerrhoden, hissten die Fahne in einer kleinen Zeremonie. Dazu gehörte auch das Enthüllen einer kleinen Tafel: «Dieser Ort seht für die Stärkung von Frieden, Völkerrecht, Demokratie und Solidarität.» Ausführlich erklären musste Daniela Mittelholzer den Satz nicht. Allen Anwesenden war nur zu bewusst, was in diesen Zeiten damit gemeint ist. Die Fahne ist für Daniela Mittelholzer ein Zeichen der Hoffnung, steht für Werte, die es zu stärken gilt, für die man kämpfen soll. Ihr schlichtes Weiss stehe für «Frieden, Menschlichkeit und Respekt», sagte sie später am Parteitag im Kaubad. «Es steht für die Hoffnung, dass Konflikte mit Regeln und Gesprächen gelöst werden können – und nicht mit Gewalt.» Bis auf Weiteres wird die Fahne dort hängen und wehen, flattern und knattern, je nach Wetterlage.
Bei den Gesamterneuerungswahlen am anschliessenden SP-Parteitag, dem 14. seit der Gründung 2012, wurden alle Bisherigen im Amt bestätigt. Einen grossen Applaus gab es für Daniela Mittelholzer und Martin Pfister. Ihr Co-Präsidium läuft jetzt schon zwei Jahre und hat sich – so der Tenor – bewährt.
Handlungsbedarf gibt es beim Mitgliederbestand. Mit den Sympathisanten läuft es gut, schwieriger ist es bei den Mitgliedern – vor allem bei den jüngeren. Es sind Schwierigkeiten, die man von verschiedenen Vereinen kennt, und eine Partei ist letztlich auch ein Verein.
Der Beitrag Von der Friedenslinde zur Friedensfahne erschien zuerst auf appenzell24.ch.
Von der Friedenslinde zur Friedensfahne 2026 IUSTITIA.BG – Investigations 2009-2025 2026-06-02 17:31:00
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