Am Montag übersiedeln die letzten sechs Gratkorner Ordensfrauen nach Graz. Die „Krone“ war zur letzten Samstagsmesse geladen und sprach mit den Schwestern beim anschließenden Frühstück über Wehmut und Neubeginn.
Samstagmorgen, 7.25 Uhr. In der Kapelle des Klosters Maria Rast in der Dult in Gratkorn nördlich von Graz ist es still. Die sechs Ordensschwestern haben bereits vor einiger Zeit in den Bänken Platz genommen, um noch vor dem Beginn der Heiligen Messe bei ihrer täglichen Morgenmeditation zur Ruhe zu kommen. Weiter hinten haben sich fünf Frauen aus dem Ort eingefunden, um die letzte Samstagsmesse im Kloster mitzufeiern. Um Punkt halb acht eröffnet Pfarrer Anton Novinscak den Gottesdienst. Schwester Roswitha Bauer greift in die Saiten, die Gemeinschaft beginnt zu singen.Nach der Messfeier dauert es nur einen Augenblick, bis die Schwestern verschwunden sind – das Frühstück wartet schon auf sie. Der Tisch ist gedeckt, sogleich wird Kaffee verteilt und Marmelade auf Brote geschmiert. „Ich sitze immer hier, dann kann ich mit dem Herrn Pfarrer tratschen“, lacht Schwester Roswitha und zeigt auf ihren Platz, der auch durch ein Namensschild ausgewiesen ist.Gebäude zu groß und renovierungsbedürftigGemeinsam mit den sechs Schwestern – Roswitha, Gabriele, Engeltraud, Josefine, Anna und Rafaela – sitzen am letzten Samstag der 115-jährigen Klostergeschichte auch Pfarrer Novinscak, Nachbarin Christiana und die „Krone“ am Tisch. Es wird viel geplaudert, erzählt und gelacht. Bevor die Frauen am Montag in das Grazer Provinzhaus der Ordensgemeinschaft des heiligen Vinzenz von Paul umziehen, lassen sie ihre Tage in der Dult noch einmal Revue passieren.„Im Mai waren wir noch elf Schwestern. Als ich vor zehn Jahren als Hausoberin gekommen bin, waren wir sogar noch 34. Jetzt sind nur noch sechs übrig geblieben“, wirft Schwester Roswitha einen Blick in die Runde. Im Februar dieses Jahres wurde beschlossen, dass die Niederlassung der Barmherzigen Schwestern in Gratkorn aufgelöst wird. Das renovierungsbedürftige Gebäude mit Hauskapelle, Friedhof und großem Garten wurde zunehmend zur Last.Keine jungen Ordensfrauen Lange Zeit war das Kloster die letzte Station für alte und kranke Ordensfrauen. „Der Pflegebereich wurde aber schon im Mai geschlossen. Daraufhin sind fünf Schwestern quasi vorausgegangen und nach Graz übersiedelt“, erzählt Schwester Gabriele. Junge Frauen kommen hingegen kaum nach: „Heute möchte sich keiner mehr an etwas binden, das war früher leichter. Angst macht mir das aber keine, das ist einfach die Realität“, sagt Hausoberin Roswitha.Schwestern verlassen Zuhause mit WehmutBei der Frage, ob sie sich auf den Umzug nach Graz freuen, wird es kurz leise. „Das tut schon weh, hier ist ja unser Zuhause“, antwortet Schwester Gabriele schließlich. „Der Kopf versteht das natürlich, aber das Herz sagt etwas anderes. Je näher der Montag kommt, desto weiter möchte man ihn in die Ferne schieben“, stimmt die Oberin zu.Der Blick der beiden Frauen fällt auf die auf der gegenüberliegenden Seite sitzende Nachbarin Christiana. „Wir haben hier auch so eine tolle Gemeinschaft mit den Nachbarn, die fehlt dann einfach“, sind sie sich einig. Christiana besucht täglich den Morgengottesdienst in der Klosterkapelle. Sie kennt die Schwestern und unterstützt sie auch in dieser aktuell schweren Zeit. „Sie werden mir schon sehr fehlen“, ist sie sich sicher.Neubeginn steht vor der TürWie es mit dem Gebäude weitergeht, steht aktuell noch nicht fest. „Das ist Eigentum der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul. Im September wird es jedenfalls einmal ausgeräumt“, sagt Schwester Roswitha. Damit möglichst viele Einrichtungsgegenstände des Klosters neue Besitzer finden, wird am 18. und 19. September ein Flohmarkt veranstaltet. „Gegen eine Spende kann man dann Möbel, Bilder und noch vieles mehr kaufen“, erzählt die Oberin.Bis es so weit ist, sind die Ordensfrauen mit packen beschäftigt. „Ich räume heute noch ein letztes Mal mein Zimmer auf und packe die restlichen Sachen zusammen“, verrät Schwester Gabriele. Das Mittagessen wird am Sonntag noch ein letztes Mal von Schwester Roswitha zubereitet: „Am Montag gibt es dann nur noch Frühstück und dann heißt es Abfahrt.“ Für die Schwestern beginnt in Graz ein neuer Lebensabschnitt, an das Zuhause in der Dult werden sie aber noch lange zurückdenken.
Schwestern ziehen um – Ein letztes „Pfiat Gott“ im Kloster Maria Rast 2026
IUSTITIA.BG – Investigations 2009-2026 2026-08-30 05:00:23
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