Die AfD mit ihrem Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund hat die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit großem Vorsprung gewonnen. Die absolute Mehrheit geht sich aber nicht aus.
Die CDU mit Ministerpräsident Sven Schulze kommt mit herben Verlusten auf Platz zwei, wie aus den auf der Webseite der Landeswahlleiterin veröffentlichten vorläufigen Ergebnissen hervorgeht. SPD, Linke, Grüne und BSW schafften einstellig den Einzug in den Landtag. Angaben zu den Mandaten im Landtag gab es vorerst keine.Den letzten Hochrechnungen zufolge könnte
mit der AfD das erste Mal seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs eine als
gesichert rechtsextremistisch eingestufte Partei in einem Bundesland an die
Macht gelangen – bräuchte dafür aber Unterstützer. Ob es ihr gelingen kann,
etwa einzelne Abgeordnete anderer Fraktionen für die Wahl Siegmunds zum
Ministerpräsidenten zu gewinnen, ist unklar. Eine Koalition mit der AfD hatten
die übrigen Parteien im Landtag vor der Wahl ausgeschlossen.Den vorläufigen Ergebnissen zufolge büßt die Linke Stimmen ein, die SPD bleibt einstellig. Die Grünen fahren ihr bestes Ergebnis bei Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt ein. Die FDP scheitert an der Fünf-Prozent-Hürde – Landeschefin Sylvia Hüskens kündigte ihren Rücktritt an. Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) musste lange zittern, zieht aber nun erstmals in den Landtag in Magdeburg ein.AfD verdoppelt ihr Ergebnis – CDU stürzt abDie AfD kann laut vorläufigen Ergebnissen ihren Stimmenanteil auf 43,8 Prozent (2021: 20,8) mehr als verdoppeln. Es ist der beste Wert, den eine Partei in den vergangenen zehn Jahren bei Landtagswahlen erreicht hat, und ein Rekord für die AfD. Die CDU stürzt ab auf 17,2 Prozent (37,1) – ihr schlechtestes Ergebnis bei einer Landtagswahl in Sachsen-Anhalt.Die Linke verliert leicht und kommt auf 8,6
Prozent (11). Die SPD kann sich mit 9,3 Prozent (8,4) auf niedrigem Niveau
verbessern. Die Grünen klettern auf 8,9 Prozent (5,9). Die FDP fliegt mit 2,6
Prozent (6,4) aus dem Parlament. Das BSW bekommt 5,3 Prozent.Die Wahlbeteiligung liegt demnach bei 77,8
Prozent (2021: 60,3) – der höchste Wert in Sachsen-Anhalt seit der
Wiedervereinigung. Knapp 1,7 Millionen Menschen waren wahlberechtigt.Komplizierte RegierungsoptionenDie bisher regierende Koalition aus CDU, SPD und FDP ist damit am Ende, Regierungschef Schulze und sein Kabinett bleiben jedoch bis zur Wahl eines neuen Ministerpräsidenten geschäftsführend im Amt.Die CDU lehnt eine Koalition oder vergleichbare Formen der Zusammenarbeit laut einem Bundesparteitagsbeschluss nicht nur mit der AfD, sondern auch mit der Linken für sich ab. Diese Linie wird als „Brandmauer“ bezeichnet. Für eine CDU-geführte Minderheitsregierung wäre das ein Knackpunkt. Zudem hat das BSW die Wahl von CDU-Spitzenkandidat Schulze zum Ministerpräsidenten ausgeschlossen.AfD will regieren und schließt Neuwahl nicht ausAfD-Spitzenkandidat Siegmund sagte zum Abschneiden seiner Partei: „Natürlich ist es ein Regierungsauftrag.“ „Selbstverständlich“ werde er auch mit nur einer Stimme mehr regieren, betonte er entgegen seiner Ankündigung im Wahlkampf, nur mit stabiler Mehrheit regieren zu wollen.Zugleich sagte der 35-Jährige, er sehe
aktuell keine Partner für eine Koalition. Er wisse aber nicht, was in den
nächsten Tagen passiert. „Ich weiß ja nicht, ob es einzelne Abgeordnete
gibt, die sagen: „Jetzt ist Schluss, jetzt spiel‘ ich das hier nicht mehr
mit“.“ Da könne noch viel passieren.Auch AfD-Co-Bundeschefin Alice Weidel sprach von einem „ganz klaren Regierungsauftrag“. Co-Chef Tino Chrupalla sagte: „Ulrich Siegmund wird definitiv als Ministerpräsidentenkandidat im Landtag antreten, das ist schonmal sicher.“Sollte es mit einer Regierungsbildung nicht klappen, kommt aus Sicht von Siegmund auch eine Neuwahl infrage. „Im Notfall würde es halt Neuwahlen geben, dann haben wir halt 50 oder 55 Prozent“, sagte er am Abend.Schulze gesteht Niederlage einCDU-Spitzenkandidat Schulze – erst seit Januar als Ministerpräsident im Amt – gestand das Scheitern seiner Partei ein. „Es ist für uns eine Niederlage“, sagte der 47-Jährige. Mögliche Konsequenzen ließ er am Abend offen. „Ich fahre morgen nach Berlin, da ist Bundesvorstand, und morgen Abend ist dann Landesvorstand, und da werde ich der CDU Sachsen-Anhalt einen Verfahrensvorschlag machen. Aber das werden wir dann morgen im Landesvorstand auch besprechen“, sagte er.Schulze sah sich am Abend mit Forderungen
aus den eigenen Reihen konfrontiert, als Landesparteichef zurückzutreten. Die
CDU-Landtagsabgeordnete Eva Feußner verlangte dies ebenso wie die Junge Union
Sachsen-Anhalt.Der Chef der Unionsfraktion im Bundestag,
Thorsten Frei (CDU), sieht seine Partei vor schwierigen Gesprächen über eine
Regierungsbildung unter Ausschluss der AfD. „Wir werden schauen müssen,
was wir tun können, um für das Land eine einigermaßen stabile Regierung zu
gewährleisten“, sagte er. „Das ist jetzt nicht die Stunde, wo man
sich wegducken kann.“ Eine Zusammenarbeit mit der AfD schloss Frei erneut
klar aus.BSW-Spitzenkandidat will mit AfD sprechenBSW-Spitzenkandidat Thomas Schulze zeigte sich hingegen offen für Gespräche mit der AfD. „Wir haben gesagt, wir sprechen mit allen Parteien. Dazu gehört die AfD“, sagte er der dpa. „Die Brandmauer interessiert uns nicht, und wir werden mit allen Parteien sprechen.“Die Co-Chefin der Partei im Bund, Amira
Mohamed Ali, sagte: „Wir werden genau das tun nach der Wahl, was wir vor
der Wahl angekündigt haben. Wir werden weder Herrn Schulze noch Herrn Siegmund
wählen.“FDP-Landeschefin Hüskens kündigte nach dem verpassten Wiedereinzug ihrer Partei in den Landtag ihren Rücktritt an. „Ich bin die Landesvorsitzende, ich habe den Landtag als Spitzenkandidatin angeführt, sodass ich auch dafür die Konsequenz zahle“, sagte sie der dpa.Nur zwei Wochen bis zu den nächsten WahlenWelche Konsequenzen die Landtagswahl mit dem Absturz der CDU für die schwarz-rote Koalition im Bund haben wird, ist noch nicht abzusehen. Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz äußerte sich am Abend zunächst nicht zum Debakel für seine Partei. In zwei Wochen – am 20. September – folgen schon zwei weitere Landtagswahlen: in Mecklenburg-Vorpommern und im Land Berlin.
Vorläufiges Ergebnis – AfD holt 43,8 Prozent und verpasst Absolute 2026
IUSTITIA.BG – Investigations 2009-2026 2026-09-07 06:28:52
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(C-LtoR) Ulrich Siegmund, far-right Alternative for Germany (AfD)'s main candidate in the… IUSTITIA



