Noch ist der Wahlkampf in weiter Ferne, doch die Stimmung ist bereits durchaus angespannt. Wiens Bürgermeister Michael Ludwig hat nun offen Zweifel an der Arbeitsbereitschaft von FPÖ-Chef Herbert Kickl geäußert. „Er hat jedenfalls das bequemere Leben gewählt und nutzt seine Zeit ausgiebig zum Klettern und Wandern. Man hat den Eindruck, er ist mehr in den Bergen als arbeitend für die Menschen tätig.“
Kickl sei nach der vergangenen Nationalratswahl „vor der Verantwortung davongelaufen“, so der Wiener Stadtchef im Gespräch mit der „Welt“. Der FPÖ-Chef gebe unabhängigen Medien auch nur selten Interviews, und wenn er es doch tut, „dann kommt da nahezu nichts“.„Kickl würdigt Menschen herab“Ludwig weiter: „Da ist eine große Leere. Herr Kickl hat keine innovativen Ideen für die Zukunft unseres Landes. Nur im Bierzelt läuft er zur Hochform auf, dort denunziert er Menschen und würdigt sie herab.“Der Wiener SPÖ-Chef – zuletzt selbst in die Kritik geraten wegen der Causa um den Wiener Wirtschaftskammerchef Walter Ruck – wies auch Forderungen der FPÖ, den Kanzler stellen zu wollen, falls die Partei bei den kommenden Nationalratswahlen die Mehrheit der Stimmen erhalten sollte: „Es gibt in einer Demokratie keinen Automatismus, dass die Partei mit den meisten Stimmen auch den Regierungschef stellt. Natürlich ist es nicht so, dass die FPÖ im Falle eines Wahlsiegs bei den kommenden Nationalratswahlen automatisch den Kanzler stellen wird“, sagte Ludwig.Dafür brauchte FPÖ-Parteichef Kickl die nötigen Mehrheiten. Dazu müsse er erfolgreich verhandeln und zahlreiche Kompromisse eingehen. Ludwig: „Kickl hatte schon nach der letzten Nationalratswahl, in der die FPÖ die meisten Stimmen erhielt, den Regierungsbildungsauftrag, aber er hat keine Regierung zustande gebracht.“„Rechtspopulismus ist nur eine Phase“Über die Zukunft des Rechtspopulismus in Europa sagte Ludwig zudem: „Ich bin fest davon überzeugt, dass der Rechtspopulismus nur eine Phase ist, die vorbeigeht.“ Dafür müsse man sich ihm jedoch konsequent entgegenstellen. Eine Krise der Sozialdemokratie sieht Ludwig nicht: „Ich sehe mit Sorge, dass die politische Mitte derzeit an Attraktivität verliert. Aber solche Phasen gab es immer in der Geschichte etablierter Parteien.“
Zweifel an Motivation – Ludwig: „Kickl hat das bequemere Leben gewählt“ 2026
IUSTITIA.BG – Investigations 2009-2026 2026-09-02 14:25:06
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