Auf zwei Bühnen im Gymnasium St. Antonius und im Schulhaus Hofwies präsentierten sowohl nationale als auch internationale Künstlerinnen und Künstler am vergangenen Wochenende eine grosse Vielfalt an Theaterstücken. Auch die Figuren, die diese Stücke bereicherten, waren sehr unterschiedlich: Es gab Marionetten, Karton- und Papierfiguren, Ganzkörperfiguren, bei dem Stück «Ds Gstürm im Sand» fungierten sogar die Hände der Spielenden selbst als Figuren.
Eine Balance finden
Der Vorstand des Appenzeller Figurentheater-Festivals besteht aus einem eingespielten Team, hauptsächlich ehrenamtlichen Mitgliedern, die jeweils für ein Ressort zuständig sind. Es werde sowohl bei den Aufführungen als auch bei der Herkunft der Künstler auf eine möglichst grosse Vielfalt geachtet. Während sich einige davon nur nebenberuflich dem Figurentheater widmen, praktizieren es andere professionell. Da mittlerweile auch Anfragen von internationalen Künstlern das Appenzeller Figurentheater-Festival erreichen, sei es wichtig, eine Balance zwischen inländischen und ausländischen Darstellern zu finden. So waren in diesem Jahr neben der Schweiz auch Deutschland und England auf der Bühne vertreten.
Kasper darf nicht fehlen
Am frühen Samstagabend, 29. August, durften sich die Kinder in Appenzell auf das Stück «Kasper und die Langfinger» freuen. Dabei handelt es sich um ein Stück des Theaters Hände Hoch aus Basel, bestehend aus den Spielerinnen Doris Weiller und Sybille Gutzwiller. Wo es anfangs noch um eine Wunderblume gehen soll, nimmt das Stück durch eine von Kasper herbeigeführte Wendung plötzlich eine ganz andere Richtung und wird zur Kasperkriminalkomödie. Das Miteinbeziehen der Kinder in den Kriminalfall hat wohl wesentlich zur – kaum übersehbaren – Begeisterung im Publikum beigetragen.
Figurentheater ohne Worte
Eine ganz andere Welt des Figurentheaters eröffneten Liz und Daniel Lempen aus England. Bei ihrem Stück «Karneval der Tiere» wird ausser einer kurzen Einleitung kaum ein Wort gesprochen. Zuhören zahlt sich trotzdem aus: Bewegungen der Tiere sind nämlich mit passender Musik oder spezifischen Lauten unterstrichen worden, was immer genau zur richtigen Zeit Spannung aufbaute. Die Tierfiguren waren dabei schlicht gehalten, gebastelt aus Papier und Karton. «Manchmal ist einfacher besser», sagt Daniel Lempen dazu. Das Stück zeigt, dass Theater auch auf einer Ebene ganz ohne Worte funktionieren kann.
Postenlauf und Wettbewerb
Die Eröffnungsfeier des elften Appenzeller Figurentheater-Festivals wurde in diesem Jahr gezielt auf Kinder ausgerichtet. An acht verschiedenen Posten durften sie sich am Samstag austoben und selbst tätig werden. Beispielsweise lockte ein Glücksrad, ein eigenes Kasperlitheater oder ein Zeichnungswettbewerb, in welchem eine anfänglich leere Bühne auf einem weissen Papier von den kleinen Künstlern ganz schnell in eine bunte und belebte Bühne mit allen möglichen Details verwandelt wurde. Die Zeichnungen wurden anschliessend im Bistro des Gymnasiums aufgehängt. Für jeden erfolgreich bestrittenen Posten gab es einen Stempel, bei vier von acht Stempeln durfte die Stempelkarte in den Wettbewerbsbriefkasten eingeworfen werden. Am 7. September 2026 wird der Kasperli in die Box greifen und herausfinden, wer zu den glücklichen Gewinnern gehört. Ein Film von der Auslosung wird im Anschluss auf der Website des Appenzeller Figurentheater-Festivals veröffentlicht.
Theaterkultur aufrechterhalten
Die Kultur des Theaterbesuchs gehe immer mehr verloren, bedauert Claudine Kopp, die künstlerische Leiterin des Vereins Appenzeller Figurentheater-Festival. Gerade darum sei es umso wichtiger, sie fortzuführen und aufrechtzuerhalten. Kinder können zu Puppen greifen, mit ihnen ihre eigenen Geschichten kreieren und dabei ihre Kreativität ausleben. Gleichzeitig biete das Festival eine Möglichkeit, zur Ruhe zu kommen und sich von den Theaterfiguren und den Spielern in andere Welten entführen zu lassen.
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Wenn Figuren Geschichten erzählen 2026
IUSTITIA.BG – Investigations 2009-2026 2026-09-03 06:26:00
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